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Liest du noch oder lernst du schon? – YouTube-Videos lösen Schulbücher ab

Dass das Schulsystem überholt ist, kann Ihnen jeder Schüler bestätigen. Doch wie sieht die Zukunft aus? Vor allem für die Generation Z hat sich mit YouTube das Verhältnis zum Lernen verändert.

Immer häufiger setzen Schülerinnen und Schüler beim Lernen voller Vertrauen auf die Plattform YouTube. Auch Lehrer verwenden ab und an YouTube-Videos, um Unterrichtsinhalte zu erklären oder das Gelernte durch die visuelle Untermalung zu unterstützen. Warum aber ist dem so?

Leichter lernen dank YouTube?

Ich bin ganz ehrlich, auch ich bilde keine Ausnahme. Während der Oberstufe habe ich die Plattform häufig genutzt, um Unterrichtsinhalte besser zu verinnerlichen. Sei es Mathe, Biologie oder Geschichte, für jedes Thema und jedes Fach gab es ein Video. Wir Schüler haben uns gegenseitig Empfehlungen gegeben, welche Videos was taugen und häufig haben wir nach dem Ansehen der Videos diskutiert. So ist das natürlich wünschenswert, denn so kommt die zwischenmenschliche Kommunikation nicht zu kurz. Manchen von uns haben diese Videos echt die Noten gerettet.

In meiner Schule wurden im Regelfall häufiger Videos mit naturwissenschaftlichen Inhalten angeschaut. Für mich war es immer deutlich leichter Biologie mit Hilfe eines Videos zu lernen. Ohne eine passende visuelle Untermalung ist es eben schwieriger sich vorzustellen, wie ein Ribosom an der mRNA entlangwandert und Proteine synthetisiert. Indem wir sehen, fällt es uns leichter zu verstehen, die Themen wirken nicht mehr so abstrakt und sind leichter zu greifen. Oftmals hat es Vorteile, wenn die Erklärungen in den Videos auf einem anderen Niveau erfolgen als im Unterricht. Viele Schüler können sich durch die etwas anderen Methoden bessere Eselsbrücken bauen und so die Inhalte verinnerlichen.

Die Kehrseite

Bei genauerer Betrachtung dieser Thematik, sehen wir aber auch den Januskopf. Denn obwohl YouTube uns die Möglichkeiten gibt, das Lernen neu anzugehen, darf man die kritischen Aspekte nicht aus den Augen lassen

Während die Lehrerin oder der Lehrer im Unterricht auf gezielte Fragen eingehen kann und Unklarheiten schnell aus dem Weg schafft, bietet YouTube diese Möglichkeit der Interaktion nicht. Fehlerhafte Inhalte werden meist nicht durch die Lernenden erkannt und so übernehmen sie das falsche Wissen. Daher ist es wichtig, dass man sich nicht blind auf die Tutorials verlässt, sondern kritisch hinterfragt und möglichst nicht nur aus einer Quelle lernt. Wer dies beherzigt, beschäftigt sich deutlich intensiver mit den Unterrichtsinhalten, tauscht sich mit Mitschülern aus und versteht meist mehr als der, der auswendig lernt und akzeptiert.

Nicht nur die Schüler setzen immer mehr auf YouTube, sondern auch Lehrerinnen und Lehrer. Sie drehen eigene Videos oder bedienen sich an dem bereits vorhandenen Angebot. Entweder werden die Videos im Unterricht gezeigt oder sind Teil der Hausaufgaben. Wird der Unterricht so vielleicht revolutioniert?

Flipped Classroom

Eine neue Unterrichtsmethode, die sich immer weiter zu etablieren scheint, ist das Prinzip des „Flipped Classroom“. Hierbei schauen sich die Schüler zu Hause Videos an und bereiten sich so auf den Unterricht vor, in der Schule werden dann Anwendungsaufgaben gemacht, damit das Gelernte gefestigt werden kann.

Meine persönlichen Erfahrungen sprechen gegen diese Art des Unterrichts. Man kann sich zum einen nicht auf die Schüler verlassen. Wenn sie in diesem System ihre Aufgaben für Zuhause vernachlässigen, kommen sie völlig unvorbereitet in den Unterricht. Dies ist keine Seltenheit! Zum anderen kann man keine direkten Fragen an den Lehrer stellen, die sich beim Schauen eines solchen Videos stellen. Zudem wird das Gelernte nicht unverzüglich angewendet, was sich negativ auf den Lernprozess selbst auswirkt. Als letzter Punkt muss noch angeführt werden, dass die mündliche Beteiligung sinkt. Dies liegt begründet in der unzureichenden Vorbereitung auf den Unterricht und der Bearbeitung von Übungsaufgaben auf Papier und nicht mündlich im Plenum.

Ganz ausgereift ist dieses Konzept also offensichtlich noch nicht. Lieber sollten die Lehrer den richtigen Umgang mit dem Medium YouTube vermitteln, denn viele Schüler wissen nicht, wie sie ein seriöses Lernvideo erkennen.

Fazit

Abschließend lässt sich also festhalten, dass YouTube-Videos eine große Hilfe im Schulalltag bieten können und ein sinnvolles Lernmedium sind, jedoch muss das kritische Hinterfragen der Lernquellen eine Priorität sein. Lehrer hingegen, die ihren Unterricht auf diesen Videos basieren, sollten dies noch einmal überdenken. Hierbei handhabt es sich ähnlich wie mit einer PowerPoint-Präsentationen, die für ein Referat erstellt wird: die Präsentation soll durch die Folien gestützt werden und nicht auf der PowerPoint basieren

 

Anna Röttger, Praktikantin